Lohnt sich ein Bausparvertrag noch?

Was ist das erste, das man tut, sobald das erste Einkommen auf dem eigenen Konto landet? Richtig! Ein Termin bei der eigenen Hausbank!
Das Konto muss umgestellt werden, ab sofort profitiert der Kunde von „Negativzinsen“ (ein tolles Wort, um den Begriff „Kosten“ zu schönen) oder Kontoführungsgebühren. Dazu noch schnell eine Privathaftpflichtversicherung und einen Bausparvertrag – „wenn Sie schon mal hier sind, lieber Kunde“.

Aber woher kommt es, dass das erste Produkt zur Geldanlage fast immer ein Bausparvertrag ist?

Banken haben viele Kunden, sie brauchen also massentaugliche Produkte, die sich einfach verkaufen lassen. „Was der Deutsche nicht kennt, das kauft er nicht.“ Vor vielen Jahren waren Bausparverträge gut verzinst und durchaus sinnvoll – nahezu jeder hatte einen solchen. Das Gerücht, dass Bausparverträge auch niedrig verzinst noch ein klasse Produkt sind, da sie Zinssicherheit gewähren, hält sich wacker. Einen weiteren guten Grund gibt es für den Abschluss nicht – die Abschlusskosten werden durch den Zins über die gesamte Laufzeit meist nicht wieder reingeholt. Kunden trauen sich (zurecht!) auch kaum noch an das Investmentgeschäft der Banken – kein Wunder, nach den Schlagzeilen der letzten Jahre (Beispiel Ruf „Deutsche Bank“). Suchen Sie einfach mal bei Google „Deutsche Bank Investmentgeschäft, dann wissen Sie, was ich meine. Die Riester-Rente hat auch einen gewissen Ruf, so bleiben der Bank in der Produktpalette wenig Alternativen zum Bausparvertrag in der Beratung.

Wofür ist ein Bausparvertrag gedacht?

Ein BSV ist eine einzigartige Kombination aus Sparvertrag und Darlehensoption für eine spätere Finanzierung von Immobilien.
Sie sparen eine gewisse Summe an und bekommen dann ein Darlehen zu günstigen Zinsen.

Kosten

Wir bleiben bei unserem obigen Beispiel. Die Bausparsumme beträgt 12.000€.
Abschlusskosten betragen, je nach Bank, zwischen 1% und 1,6% der Bausparsumme. Also 120-160€.
Nur rund 10% der neuen BSV´s haben einen Guthabenszins von über 0,5%, viele liegen darunter.
So gelingt es fast nie, die Kosten während der Ansparphase zu decken. Es handelt sich um ein Verlustgeschäft, selbst wenn wir die Inflation außen vor lassen.
Hinzu kommen jährliche Kontoführungsgebühren von im Schnitt 10€.

Wann sich Bausparen nicht lohnt

Beispiel: Sie sparen in 100€ Monatsraten in 5 Jahren 6000€ an und bekommen dann zinsgünstig ein Darlehen über weitere 6000€. So können Sie also für 12.000€ Ihr Eigenheim finanzieren.

… Sie merken den Widerspruch: Das Argument, dass Sie sich günstige Zinsen sichern um später selbst zu bauen, ist ein reines Verkaufsargument der Bänker. Wenn Sie sich wirklich günstige Zinsen zum Bauen sichern wollten, müssten Sie in der Ansparphase monatlich viele 100€ in den BSV zahlen. Für den normalen Anleger hat ein BSV also eine durchaus geringe Sinnhaftigkeit.

Bausparverträge mit geringen monatlichen Beiträgen und kleinen Bausparsummen sind somit nicht sinnvoll. Sie kaufen sich mit hohen Kosten ein für eine Immobilienfinanzierung viel zu geringen Darlehen. Somit loht es sich auch nicht, Vermögenswirksame Leistungen über einen Bausparvertrag zu beziehen!

Wann sich Bausparen lohnt

Bausparverträge aus Gründen der Rendite abzuschließen macht auf Grund der geringen Zinsen und im Vergleich dazu hohen Abschlusskosten wenig Sinn. Eine gewisse Daseinsberechtigung haben sie trotzdem!

Nämlich wenn es um die Finanzierung von Immobilien geht, in welcher während der Ansparphase hohe Raten (mehrere Hundert €) monatlich eingezahlt werden. Denn nur so können niedrige Zinsen für ein Darlehen gesichert werden, welches groß genug ist, eine Immobilienfinanzierung zu stemmen.

Zusammenfassung

  • geringe Sparzinsen, hohe Kosten
  • nicht geeignet zum allgemeinen Vermögensaufbau
  • geeignet zur Immobilienfinanzierung bei hoher Sparrate